FLASCHENPOST
August 2019
Seit dem täglichen Wetterbericht am Mittagstisch in seiner Kindheit ist das Azorenhoch für klein Hajot ein Mythos. Wo liegt und was ist das Azorenhoch. Fast 60 Jahre später hat sich nun das Geheimnis gelüftet. Wir befinden uns auf den Inseln Azoren, mitten im Atlantik, nur vom «Hoch» ist vorerst weit und breit nichts in Sicht. Es ist erst mal neblig und regnerisch und vor allem kalt. Lange Hose, Socken und Jacke gehören ab sofort wieder zur Grundausstattung. Und wir werden mit allen Sinnen überrascht. Es ist grün in allen Abstufungen, Kühe wie Ameisen, Vogelgezwitscher, -gesang oder nächtelanges -gekreische, ja sogar die Kuhfladen stinken anders. Es hat noch nirgends, wo ich bisher war, so ausgesehen, so getönt und so gerochen wie hier auf den Azoren. Die Azoren sind erfrischend anders. Wenn alles vom Meer umgeben, das nächste Land über 1000 Seemeilen entfernt ist, dann entwickelt sich wohl eine eigene Dynamik.
Für diese Inseln wollten wir uns etwas Zeit lassen. Wenn wir schon mal da sind nicht gleich wieder abhauen. Und wer weiss, vielleicht ist es das letzte Mal. Fast sieben Wochen haben wir auf den Inseln verbracht. Von West nach Ost haben wir sieben von neun Inseln angefahren. Jede war auf ihre Weise besonders.
Flores, die Blumeninsel besticht durch ihre Natur mit Wasserfällen und Kraterseen. Nur leider haben wir kaum etwas davon gesehen, weil die Wolken und der Nebel alles, was über 200 Meter hoch war, dick eingepackt hat. Aber man konnte deren Wildheit und Schönheit an der Küste und zwischen den Wolkenfetzen erahnen.
Faial mit dem Hauptort Horta. Das ist DER Hafen und gleichzeitig Kreuzung für Atlantiksegler. Wer mit dem eigenen Schiff hierher kommt, hat einen langen Weg hinter sich, aber auch einen langen noch vor sich. Der Hafen ist übervoll, Anori liegt im 4er-Päckli an der Mole. Es ist ein Kommen und Gehen. Jeder weiss etwas zu erzählen oder das Gesicht ist durch Geschichten gezeichnet. Dass auch wir uns unter diese Geschichten gesellen dürfen erfüllt mich mit Demut und Ehrfurcht. Festhalten kann man dieses Ereignis mit einem Gemälde an der Hafenmauer.
Pico mit dem gleichnamigen Vulkan Pico. Wie ein Kegel ragt er über 2300m in die Höhe. Er überragt in Höhe und Form alles und ist der höchste Berg von Portugal.
São Jorge. Kühe gibts überall auf den Inseln, aber ich glaube, hier liegt das Epizentrum Wir haben aber auch eine Kaffeeplantage entdeckt und uns erklären lassen, dass die Bohnen vor dem Rösten zwei Wochen an der Sonne trocknen müssen. Aha, es gibt sie also doch, die Sonne auf den Azoren. Dann lernen wir noch, was es mit «Fajão» auf sich hat. Das Wort bezeichnet «tiefes Land». Unterhalb Steilküsten liegen direkt am Meer kleine flache Landstücke. Obwohl sie nur sehr schwer zugänglich sind, sind die meisten bewirtschaftet. Auf São Jorge gibt es scheinbar 75 Fajãos.
Terceira. Im Hauptort Angra do Heroísmo erleben wir das alljährliche neuntägige Sommerfest. Am Mittag beginnt die Festwirtschaft, abends um neuen bis in die frühen Morgenstunden folgt der tägliche Hauptteil. Umzüge, Konzerte, Tradition und Folklore. Was unbedingt dazu gehört, dass Stiere durch die Strassen getrieben werden. Eindrücklich ist, wie alles friedlich abläuft. Kaum Betrunkene und Abfall in den Gassen.
São Miguel, die grösste und auch die Hauptinsel. Sie hat eindeutig am meisten Vielfalt zu bieten. Es ist aber auch die Insel, wo wir zum ersten mal auf richtigen Tourismus stossen.
Santa Maria liegt bereits weit ab im Südosten. Klein und wunderschön.
Es ist wunderbar auf den Azoren. Sehr viel Natur, Kühe, Wale, Sturmtaucher, üppige Vegetation, Strassen und Wiesen sind gesäumt mit Hortensien, Wanderungen an Steilküsten und über Hochebenen, alles überragend ist aber die Freundlichkeit und Friedfertigkeit der Inselbewohner.
Schlussendlich hat sich auch das meteorologische Hoch ausgebreitet. Da wurde es tatsächlich warm, mild und sonnig. Das heisst aber auch windstill. Wir lagen auf Santa Maria und wollten nach Galizien. Es war nicht ganz einfach den Wind nach Norden zu erwarten. Schlussendlich hat aber alles gut geklappt. Nach einer ruhigen letzten Überfahrt sind wir am 22.Juli in der Bucht von Camariñas, im Nordwesten von Galizien vor Anker gegangen.
Vor uns liegt noch die Westküste von Spanien und Portugal, bevor wir die Heimreise antreten werden.
Maja und Hajot





Touristen gibts vorwiegend auf São Miguel

In Angra de Heroismo (Bucht der Helden) auf Terceira findet ein neuntägiges Sommerfest statt.

Der Stier und der Held.

Umzug für die Kleinen.

Umzug für die Grossen