FLASCHENPOST
MÄRZ 2017
Der Winter ist vorbei. So hoffen wir zumindest. Wir sitzen im Moment an der Sonne und krempeln zum ersten mal die Ärmel hoch. Die Monate davor waren kalt, oft nass mit häufigem Nordwind. Es fühlte sich wie Bise in der Schweiz an. Die sonnigen, milden Tage sind gefühlsmässig schnell zusammengezählt. Laut Einheimischen war's ein Winter im Ausnahmezustand. Und wir waren dabei. Ehrlich gesagt, haben wir uns das ein bisschen anders vorgestellt. Sonne und T'shirtwetter oder so ähnlich. Stattdessen Schnee, 4Grad im Schiff, mehrere Schichten Thermounterwäsche und Mütze im Dauereinsatz.
Die Mooring in Kilada war eine gute und sichere Sache. Nur, bei Nordwind fallen oft kräftige Böen aus verschiedenen Richtungen über die Bucht her. Die ruppigen Bewegungen zerrten am Boot und das Getöse in den Wanten an unseren Nerven. Wenn wir uns nach mehr Ruhe im Schiff sehnten verholten wir uns vor Anker in die Bucht von Porto Heli. Porto Heli liegt Luftlinie nur 10 Kilometer entfernt. Ist aber, durch die Ausrichtung der Bucht, viel weniger anfällig für kräftigen Wind und Böen.
Kilada ist ein Fischerdorf, ohne Tourismus mit viel Atmosphäre und Charme. Obwohl sie kein Wort englisch spricht, freut sich die Dame bei der Post unglaublich über unser Erscheinen, wenn wir nach allfälliger Post für uns fragen. Die Bäckersfrau fragt, ob wir ein oder zwei Brote wollen, weil sie unsere Einkaufstour mittlerweilen kennt. Wir werden auf griechisch angesprochen, wie es uns geht. Mit zwei Worten können wir knapp Antwort geben.
Porto Heli dagegen hat nichts von diesen Wohlfühlmomenten. Keine Ausstrahlung. Es ist ein Touristenort, ohne Leben während den Wintermonaten. Für uns als Segleranfänger ein Ort um sich sicher vor Anker zu fühlen, Mehr nicht.
Wir möchten das Erlebnis Winter in Griechenland vor Anker nicht missen. Toll war's. Nur schon der Gedanke daran, zu wissen wie es sich anfühlt, hat sich gelohnt. Es ist aber nicht unser Plan, das zu wiederholen. In Zukunft wollen wir reisen mit dem Schiff. Um Sicherheit zu gewinnen und selbständig zu werden, war's aber eine gute Erfahrung.
Was haben wir eigentlich die letzten drei Monate gemacht?
-
Am griechischen Strand Englische Weihnachten mit Lagerfeuer gefeiert.
-
Einen Schneesturm in Kilada erlebt und beobachtet, wie Männer ihre Arme ausbreiten um Schneeflocken einzufangen. Es war der erste Schnee, den sie in ihrem Leben gesehen haben.
-
Quer über den Argolischen Golf nach Tyros gesegelt, um mit frischem Quellwasser unser Trinkwasser aufzufüllen.
-
In einem kleinen Dorf am Meer, mit Tessiner Bergdorfcharakter, am Cheminée gesessen und griechischen Wein getrunken.
-
Nach Ermioni gesegelt, um auf dem Markt frische Früchte und Gemüse einzukaufen.
-
Uns in Nafplion offiziell als Segler in Griechenland angemeldet. Die griechische Bürokratie ist auch ein bisschen Lebensschule.
-
Eine Dieseldoppelvorfilteranlage eingebaut.
-
Das ganze Ovnihandbuch auf Deutsch übersetzt.
-
Den Ankerkasten frisch gestrichen.
-
Eine Fahrradtour um die Insel Spetses gemacht. Im Februar eine griechische Insel zu erleben, wie sie riecht, das Licht, die Menschen, das brennt sich mitten ins Herz, für immer.
-
Den Frauen zugeschaut, wie sie stundenlang in einem Fass frisch gefangenen Octapus "stunggen".
-
Einen geschenkt bekommenen Octapus selber eingelegt und zubereitet.
-
Uns vom Duft der Orangenblüten betören lassen.
-
Stundenlang über den östlichen Peloponnes gewandert.
-
Viel gelesen über Segelschiffe und wie man damit umgeht.
-
Am eigenen Leib die Tücken und Folgen einer akuten Diskushernie erlebt.
-
Darüber gestaunt, dass wir trotz Schnee und Kälte nie den Hauch einer Erkältung hatten.
-
Herrlich geschlafen, während Anori vor Anker schaukelte.
Maja und Hajot



Blick auf die verschneiten Berge vom Peloponnes

Es ist ein Vergnügen auf dem Markt die frischen Früchte, das frische Gemüse und die selber gemachten Produkte wie Honig oder Konfitüre zu kaufen. Mit unserem Schiff, siehe Hintergrund, dauert dieser Einkaufs-Ausflug zwei bis drei Tage.

In dieser haben wir einen grossen Teil unserer Winterzeit verbracht. Die meisten Schiffe sind an Bojen festgemacht. Nur drei waren die ganze Zeit bewohnt.



Ein paar Schritte zurück zeigt uns Griechenland eine ganz andere Seite.
